Neuigkeiten

Aktuelles:

02.01.12 07:21

Frohes neues Jahr

wieder mal ein paar neue Berichte


Rub: Allgemein

Schicksalsschläge kommen immer wieder

Hallo alle zusammen, heute schreiben mal nicht die Kinder aus ihrer Sicht sondern der Vater höchstpersönlich. In den letzten ca. 2 Wochen ist viel trauriges passiert. Aber dazu später. Erstmal möchte ich Euch sagen, dass es unseren Kinder gut geht. Nicole und Daniel sind wie immer, und Michael geht es auch einigermassen gut. Er bekommt zwar im Moment wieder Antibiotika, weil wieder einmal eine Lungenentzündung gekommen ist, aber er ist ziemlich zufrieden. Zudem hatte er dieses Mal fast 2 Wochen länger keine Lungenentzündung mehr, bis jetzt kamen sie immer so nach 3 Wochen wieder, diesmal ging es doch schon fast viereinhalb Wochen, bis die nächste kam. Soviel mal zu den Kindern.

Richtig hart getroffen wurden wir am 24. Oktober, als mein Vater Heidi am frühen morgen angerufen hat und sie danach mich. Meine Mutter hat am Abend des 23.10. erst über Atemnot geklagt, dann einen Kreislaufkollaps und einen Herzstillstand erlitten. Das Team des Krankenwagens hat es dann nach einer dreiviertel Stunde reanimation geschafft, dass Ihr Herz wieder richtig schlug und sie ins Spital gebracht werden konnte. Dort wurde sie in ein künstliches Koma gelegt und der Körper gekühlt, damit das vielleicht angeschlagene Gehirn geschont werden konnte. Zu diesem Zeitpunkt gaben uns die Ärzte noch eine kleine Hoffnung, dass sie wieder aufwachen kann, aber sie sprachen da schon von einem möglichen Hirnschaden, der nicht ausgeschlossen werden könne. Ich war erst noch voller Hoffnung, dass sich alles noch zum Guten wenden wird. Und ich habe ihr immer zugeredet, dass sie doch so eine Kämpferin ist wie Michael einer, schliesslich lebt er ja immer noch, obwohl das vor 5 Jahren noch niemand zu glauben gewagt hat. Ich dachte auch immer, dass mich nach all den Erfahrungen mit Michael nichts mehr so schnell aus den Socken hauen kann, aber das ganze ging mir doch sehr nahe. Und dann am Sonntag hatte ich das erste Mal ein ziemlich schlechtes Gefühl bei der ganzen Sache. Und wenn ich und Heidi beide ein schlechtes Gefühl haben, wissen wird doch schon aus Erfahrung, wie es weitergehen wid.

Am Sonntag hab ich dann Mami mit meinem Papi besucht und auch mit den Ärzten noch sprechen können. Der Oberarzt sagte uns dann, dass alles wohl daran lag, das Mami ein chronisches Herzproblem hatte, das bisher noch nie aufgefallen war, dazu muss ich noch sagen, dass Mami nie ein grosser Fan von Ärzten war und auch schon viele Jahre bei keinem mehr war. Aber für die Ärzte der Intensivstation war das Herz im Moment nebensächlich. Sie wollten erst abwarten, bis sie aus dem künstlichen Koma erwacht und sehen, ob neurologische Schäden vorhanden sind oder nicht. Er meinte dann aber auch, dass es auch noch Dienstag werden können, bis die Medikamente nicht mehr wirken und sie aufwacht. Und wieder sprach Dr. Ritter von der schon grossen Möglichkeit, dass es durch den Herzstillstand zu einem Hirnschaden gekommen sein könnte. Diese Aussagen haben mich auch nicht wirklich beruhig, weiss ich doch seit Michael, dass Ärzte dazu neigen, nur zu sagen was sicher nicht ist anstatt zu sagen, was sein wird aber sie noch nicht hundert prozentig wissen. Auch habe ich bei der Besprechung des Assis mit dem Oberarzt was von Myklonien gehört, was meine Ohren sofort weit aufmachte, denn die kenne ich von Michael nur zu gut. Das ist, wenn die Hände zittern. Darauf angesprochen meinten sie dann, dass sie die Myklonien nur kurzzeitig hatte, doch mich beruhige das auch nicht. Wenn ich an einen möglichen Hirnschaden denke und dann solche Sachen höre, die ich von Michael kenne und von dem ich weiss, dass er einen Hirnschaden hat könnt ihr euch sicher vorstellen, was in einem vorgeht. Aber weiterhin hiess es abwarten. Heidi hat mit Nicole am Sonntag das Nani, wie sie von unseren Kindern genannt wird, auch kurz besucht. Ich staune immer wieder über Nicole, wie sie mit solchen Situationen umgehen kann, all die Maschinen, Schlauche, Infusionen, sie kam damit zurecht. Erst war sie schon ein bisschen bedrückt, aber dann sah sie nur ihr Nani und wollte ihr nahe sein.

Am Montag gab es dann einen kurzen Lichtblick. Ich bin sie dann nicht besuchen gegangen, aber Heidi war da und am Abend auch noch mein Vater und mein Bruder. Inzwischen musste Mami nicht mehr vollständig beatmet werden, sondern macht den Atemzug selbst und wurde dabei noch von der Maschine unterstützt. Aber beim Reanimieren ist wahrscheinlich noch etwas aus dem Magen in die Lunge gelangt, Mami hat im linken Lungenflügel eine Entzündung bekommen, das hiess es am Sonntag schon. Und Heidi hat mir dann am Abend erzählt, dass sie bei der Visite was von einem CRP von 200 gehört hat. Auch das kennen wir nur zu gut, ein grosses Anzeichen für eine Lungenentzündung. Aufgewacht war sie bis anhin auch noch nicht.

Am Dienstag dann hat mir mein Vater am Vormittag dann geschrieben, dass Mami kurz die Augen geöffnet habe aber nicht kommuniziert. Das hat ihm der Arzt am Telefon erzählt. Und der Arzt hat ihm auch gesagt, dass es doch sehr nach einem Hirnschaden aussieht. Heidi hat sie dann wieder am Nachmittag besucht und auch viel mit den Ärzten gesprochen. Papi war am Abend noch bei Ihr. So habe ich von Heidi dann erfahren, dass ein EEG gemacht wurde, das sehr schlecht ausgesehen hat. Sie meinten, dass laut EEG alles noch funktioniert, was den Körper am Leben erhält, die Organe steuert etc. Aber sonst eigentlich nichts mehr. Ich konnte mir nur zu gut vorstellen, was das heissen wird. Heidi hat auch erzählt, dass Sie ein Medikament bekommen hat um die Schlafmittel auszuspühlen, die sie für das künstliche Koma bekommen hat. Sie hat die Augen kurz geöffnet, aber die Pupillen haben sich gleich zur Stirn hin bewegt und nach oben gestarrt. Auch das kenne ich von Michael nur zu gut, und ich war mir sicher, was das heissen wird. Zudem hatte sich ihre Lungenentzündung inzwischen auf die ganze Lunge ausgebreitet, trotz hoch dosiertem Antibiotika. Am Abend hat dann mein Vater noch angerufen. Er hatte noch ein Gespräch mit den Ärzten, und die haben dann gemeint, dass sie am nächsten Morgen nochmals ein EEG machen werden. Und wenn dieses nicht besser aussehen sollte als das letzte, werde sich die Familie wohl überlegen müssen, ob es nicht besser wäre, die Medikamente einzustellen und die Beatmungsmaschine abzuschalten. Für mich war diese Entscheidung schnell klar. Aber wir wollten noch den nächsten Tag abwarten.

Am Mittwoch, 29. Oktober wurde dann wieder ein EEG gemacht. Dieses war aber auch nicht besser als das letzte. Heidi wollte unbedingt noch mit Michael das Nani besuchen und ging deshalb am Nachmittag wieder zu Ihr nach Zürich. Und Daniel wollte auch noch mitkommen. Sie hat dann Michael zu Nani gestellt und seine Hand um Ihre gelegt. Und Michael hat "gephlaudert" mit ihr, mit den komischen Lauten, die er manchmal von sich gibt. Ich habe dann mit meinem Vater abgemacht, dass ich früher Feierabend mache und mit Ihm dann nach Zürich gehe, und mein Bruder kam auch noch mit. Heidi haben wir auch nochmal mitgenommen. Im Auto haben wir nur kurz darüber gesprochen, was jetzt wohl passieren würde. Es wussten alle, dass Mami nicht nur an einer Maschine leben wollte. Und die Ärzte haben es auch inzwischen mitbekommen, wie wir alle denken. Als wir dann im Triemli angekommen waren, bekam sie schon keine Medis mehr, nur noch Morphium, damit sie sicher keine Schmerzen hat. Aber nur zur Sicherheit, nach EEG, hätte sie sowieso keine Schmerzen mehr spüren können. Für uns alle war es wortlos klar, dass wir heute nur noch hier sind, um Abschied zu nehmen. Wir baten noch darum, dass ein Priester ihr noch die Krankensalbung geben soll. Als dieser dann da war und das letzte Sakrament erteilt hatte, wurde Mami von der Beatmungsmaschine getrennt. Wir sassen alle da, haben mal wieder ein paar Worte mit ihr geredet und sonst einfach ihre Hand gehalten. Wir wollten einfach bei Ihr sein. Doch sie war noch nicht bereit zu gehen. Und niemand konnte uns sagen, wie lange es noch gehen kann. Inzwischen waren auch wir alle sehr müde geworden, und so entschlossen wir uns, dass wir nach Hause fahren werden. Und ich glaube, das war auch gut so. Wir waren noch auf dem Heimweg, als wir den Anruf bekommen haben, dass Mami um 23.30 Uhr für immer eingeschlafen war. Ich glaube fest daran, dass Sie einfach nicht gehen konnte, solange wir da waren. Sie war immer so, erst schaute sie immer für alle anderen und erst dann für sich.

Niemals hätte ich gedacht, dass Michael noch jemanden aus meiner Familie überleben wird, aber jetzt ist es doch so gekommen. Mein Mami, das Nani meiner Kinder, wird nie mehr zu uns kommen. Sie ist jetzt im Himmel, selbst ein Engel, an die sie immer so sehr geglaubt hat, und bestimmt unser eigener Schutzengel. Warum musste sie schon gehen, niemand kann es sagen, ihre Zeit war anscheinend schon abgelaufen.

Am 3. November 2008 wurde Erna Zürcher-Holderegger zu Grabe getragen. Begleitet von so vielen Verwandten, Freunden und Bekannten, wie sie es selbst sicher nie zu glauben gewagt hätte. Es war schön zu sehen, wie viele Menschen wie wir um einen lieben Menschen trauern. Und es hat sehr viel Kraft gegeben, zu wissen, dass neben uns noch so viele Leute sie vermissen werden.

In Anbetracht der schweren Schäden an Hirn und Lunge muss ich sagen, dass es für sie sicher besser war, gehen zu dürfen, auch wenn ich sie so gerne noch viele Jahre bei uns gehabt hätte. Der Herr wollte es anders, akzeptieren wir das halt so, wie wir schon so vieles akzeptieren mussten und konnten. Der Herr gebe Ihr die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihr, der Herr lasse sie ruhen in Frieden, Amen.

Was ich mir für meine Familie einfach wünsche, ist dass es langsam genug Schicksalsschläge gegeben hat und wir hoffentlich mal einige Hundert Tage vor weiteren verschont bleiben werden. Wer alle Berichte dieser Homepage gelesen hat, wird mich sicher verstehen.

So, ich hoffe, im nächsten Bericht wieder mal was erfreuliches schreiben zu können.